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Fotografieren in Berlin: Die besten Spots und Perspektiven

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Matthias Richter

28 dhjetor 2025·5 min Lesezeit

Berlin ist eine Fotografenstadt. Nicht wegen der Hochglanz-Sehenswürdigkeiten, sondern wegen der Kontraste: Vorkriegsarchitektur neben DDR-Platte, verlassene Industriehallen neben Graffiti-Wänden, Wasser neben Stahl. Wer weiß, wo er suchen soll, findet hier Motive, die in keinem Reiseführer stehen. Dieser Guide zeigt acht Orte, an denen Berlin besonders gut ins Bild rückt, und erklärt, wann und wie man das Beste aus ihnen herausholt.

Modersohnbrücke: Fernsehturm zwischen Gleisen

Die Modersohnbrücke in Friedrichshain ist einer der am wenigsten bekannten, aber stärksten Fotostandorte der Stadt. Von der Brücke aus sieht man die S-Bahn-Gleise perspektivisch zusammenlaufen, und genau in der Flucht steht der Fernsehturm. Das Bild entsteht fast von selbst, aber die richtige Uhrzeit entscheidet über alles.

Idealerweise kommt man etwa dreißig Minuten vor Sonnenuntergang. Das Licht fällt dann flach von Westen, taucht die Gleise in ein warmes Orange und lässt den Turm im Dunst schimmern. Sobald die Sonne weg ist, gehen auch die Lichter an: Die Bahnsteiglampen und die leuchtende Kugel des Fernsehturms ergeben ein vollkommen anderes, aber ebenso überzeugendes Bild. Ein Stativ macht sich hier bezahlt, auch tagsüber. Drohnen brauchen im Stadtgebiet eine Genehmigung, aber Stative sind überall erlaubt.

Molecule Man: Skulptur an der Spree

Der Molecule Man von Jonathan Borofsky steht an der Stelle, wo die Bezirke Treptow, Kreuzberg und Alt-Treptow aufeinandertreffen. Fotografiert wird er am besten vom Kreuzberger Ufer aus, idealerweise morgens. Im frühen Tageslicht spiegelt sich die Skulptur im Wasser der Spree, und das Gegenlicht bringt die Silhouette der drei ineinander greifenden Figuren besonders klar zur Wirkung.

Am Nachmittag steht die Sonne ungünstig, das Bild wird flach und ohne Tiefe. Wer hier ein Bootsticket kauft und die Tour Richtung Treptower Park nimmt, kann die Skulptur auch von der Wasserseite fotografieren, eine Perspektive, die vom Ufer aus unmöglich ist. Mehr zu Spaziergängen entlang der Spree gibt es in unserem Ausflugstipp zum Treptower Park.

Karl-Marx-Allee: Architektur der anderen Art

Die Karl-Marx-Allee ist keine typische Touristenattraktion, aber sie ist eines der eindrucksvollsten Stadtbilder Berlins. Die breite Prachtstraße aus der DDR-Zeit, mit ihren symmetrischen Wohnblöcken aus den 1950er Jahren, wirkt am besten in der frühen Morgendämmerung. Keine Autos, keine Menschen, keine Ablenkung. Nur die Linien der Fassaden, die sich bis zum Horizont ziehen.

Die goldene Stunde beginnt hier schon früh: Im Sommer geht die Sonne gegen 5:30 Uhr auf, im Winter erst gegen 8:00 Uhr. Die Magic-Hour-App zeigt für jeden Tag und jeden Standort die exakten Zeiten für goldenes und blaues Licht an. Wer mit einer Weitwinkeloptik kommt und die Mitte der Allee als Standpunkt wählt, bekommt ein Bild, das weit mehr über Berlin erzählt als der zehnte Brandenburger-Tor-Schnappschuss.

Oberbaumbrücke: Backsteinturm über dem Wasser

Die Oberbaumbrücke zwischen Kreuzberg und Friedrichshain ist eine der meist fotografierten Brücken der Stadt, und das hat seinen Grund. Die neogotischen Backsteintürme, die gelbe U-Bahn darüber und die Spree darunter ergeben ein Bild, das unverwechselbar nach Berlin aussieht. Vom Schlesischen Tor aus kurz vor Sonnenuntergang hat man die Sonne im Rücken, das Licht trifft frontal auf die Fassade der Brücke.

Wer eine ungewöhnlichere Perspektive sucht, bucht eine Bootstour auf der Spree. Viele Unternehmen fahren am späten Nachmittag, und die Brücke von unten, mit dem Blick direkt durch den Bogen, ist ein Motiv, das man so auf keiner Postkarte sieht. Die goldene Stunde auf dem Wasser ist kurz und intensiv.

Berliner Dom: Spiegelung im Lustgarten

Den Berliner Dom kennt jeder. Das Bild mit der Spiegelung im Teich des Lustgartens kennen dagegen die wenigsten, weil es Aufstehen erfordert. Kurz nach Sonnenaufgang liegt das Wasser meist ruhig, es gibt kaum Wind und keine Touristen. Die Kuppel des Doms spiegelt sich fast perfekt, wenn man das Stativ so tief wie möglich ansetzt und den Horizont in der Mitte des Bildes platziert.

Im Laufe des Morgens nehmen Besucher und Fahrtwind zu, die Wasseroberfläche wird unruhiger. Das Zeitfenster für das perfekte Spiegelbild ist knapp. Wer es nutzt, hat aber ein Bild, das die meisten Besucher Berlins nie sehen.

Tempelhofer Feld: Weite mitten in der Stadt

Das ehemalige Flugfeld Tempelhof hat etwas, das es nirgendwo sonst in Berlin gibt: Weite. Keine Hochhäuser, keine Bäume am Horizont, nur das endlose graue Asphaltband der alten Startbahn und der Himmel darüber. Interessante Wolken verwandeln diesen Ort in eine natürliche Kulisse. Tiefziehende Gewitterwolken im Sommer, dramatische Lichtschäfte im Herbst, Nebel im Winter.

Menschen auf dem Feld, Radfahrer, Skater, Drachen, geben dem Bild Maßstab und Leben. Das Feld ist täglich geöffnet und kostenlos zugänglich. Drohnen sind auch hier nur mit Genehmigung erlaubt, was angesichts der Lage nahe dem Flughafen BER streng gehandhabt wird.

East Side Gallery: Zur blauen Stunde

Die East Side Gallery ist tagsüber ein Gedränge aus Selfie-Sticks und Reisegruppen. Kurz nach Sonnenuntergang, wenn das blaue Licht einsetzt, leert sich das Gelände spürbar. Dann kommen die Farben der Graffiti erst richtig zur Geltung, das Kunstlicht der Straßenlaternen setzt sie ab, und man kann die einzelnen Kunstwerke in Ruhe vor die Kamera nehmen. Die blaue Stunde dauert nur zwanzig bis dreißig Minuten, in denen man schnell arbeiten muss.

Besonders lohnend: Die Spreeseite der Mauer kurz vor Einbruch der Dunkelheit, wenn das letzte Tageslicht auf dem Wasser liegt. Die Architektur von Mediaspree dahinter ist eigentlich eine Bausünde, aber fotografisch macht sie die Szene interessant.

RAW-Gelände: Industrietexturen pur

Das RAW-Gelände in Friedrichshain ist ein Areal aus Bahnwerkstätten des späten 19. Jahrhunderts, das bis heute nicht vollständig umgebaut wurde. Rostiger Stahl, abblätternde Farbe, Mauern voller Tag-over-Tag-Graffiti: Für Texturfotografie und Industrial-Motive ist dieser Ort unerschöpflich. An Wochenenden ist auf dem Gelände viel Betrieb, wochentags kann man in Ruhe fotografieren.

Hier lohnt es sich, nicht mit dem Weitwinkel zu kommen, sondern mit einem langen Teleobjektiv oder Makro-Linse. Details erzählen hier mehr als das große Ganze. Das RAW liegt nur wenige Gehminuten vom Boxhagener Platz entfernt, wo es samstags einen der schönsten Flohmärkte der Stadt gibt.

Technische Tipps

Die goldene Stunde für Fotos beginnt in Berlin im Sommer um etwa 5:30 Uhr und endet kurz nach Sonnenaufgang, abends setzt sie etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang ein. Im Winter verschiebt sich alles: Sonnenaufgang erst gegen 8:00 Uhr, dafür liegt das goldene Licht mittags flacher und länger auf den Fassaden. Die Magic Hour App berechnet für jeden Standort in Berlin die exakten Zeiten für goldenes Licht, blaue Stunde und Sonnenauf- und untergang. Unbedingt empfehlenswert.

Stative sind in Berlin überall erlaubt, solange man den Verkehr nicht blockiert. Für Drohnen gilt: Innerhalb des Berliner S-Bahn-Rings ist Fliegen ohne ausdrückliche Genehmigung verboten. Die Genehmigung muss beim Luftfahrtbundesamt beantragt werden und ist mit Auflagen verbunden. Wer trotzdem fliegt, riskiert empfindliche Bußgelder.

Wer mehrere Spots an einem Tag verbinden will, sollte mit der Modersohnbrücke im Abendlicht beginnen und die East Side Gallery als letzten Halt planen. Beide liegen in Friedrichshain und sind gut zu Fuß erreichbar. Unsere Ferienwohnungen in Berlin liegen zentral genug, um alle genannten Spots bequem mit der S-Bahn oder zu Fuß zu erreichen.

MR

Matthias Richter

Redakteur bei bevoflats. Berliner Geschichte und Kultur sind seine Leidenschaft.