Berlins schönste Parks zum Entspannen
Volkan Yavuz
Berlin ist grüner als die meisten Großstädte Europas. Rund 33 Prozent der Stadtfläche sind Grünflächen, Wälder und Gewässer – mehr als in Paris, mehr als in London. Das spürt man an einem warmen Nachmittag, wenn die halbe Stadt in den nächsten Park fährt, Decken ausbreitet und einfach bleibt. Die Berliner wissen, was sie an ihren Parks haben.
Tiergarten: Das grüne Herz der Stadt
Der Tiergarten ist mit 210 Hektar der größte innerstädtische Park Berlins. Er liegt direkt neben dem Regierungsviertel, zwischen Brandenburger Tor und Zoologischem Garten, und man kann stundenlang durch ihn laufen, ohne ein Gebäude zu sehen. Das ist in einer Weltstadt keine Selbstverständlichkeit.
Im Sommer vermietet das Café am Neuen See Ruderboote für etwa 10 Euro pro Stunde. Der See ist klein genug, um ohne Angst, sich zu verfahren, und groß genug für ein echtes Wassererlebnis. Das Café selbst hat einen Biergarten am Ufer, der zu den besten in Berlin gehört – nicht wegen besonderer Raffinesse, sondern wegen der Lage unter alten Kastanien direkt am Wasser.
Die Siegessäule im Tiergarten steht auf der Großen Sternkreuzung und ist über 285 Stufen begehbar. Eintritt 3 Euro. Von oben hat man einen der wenigen Rundum-Blicke über das flache Berlin: Tiergarten, Fernsehturm, Reichstag, Havel. Der englische Garten im Nordwesten des Parks hat etwas von einem verwilderten Landschaftspark – weniger aufgeräumt als die Hauptachsen, umso angenehmer.
Wer an einem Sommerwochenende durch den Tiergarten läuft, wird die Freikörperkultur-Wiesen nicht übersehen. Das Nacktbaden in Parks ist in Berlin traditionsreich und offen akzeptiert. Wer sich daran stört, meidet diese Bereiche einfach.
Volkspark Friedrichshain: Berlins ältester Park
1848 angelegt, ist der Volkspark Friedrichshain der älteste öffentliche Park Berlins. Seine 52 Hektar liegen zwischen Friedrichshain und Prenzlauer Berg und sind zu jeder Jahreszeit frequentiert – im Winter zum Rodeln, im Sommer zum Liegen, das ganze Jahr über zum Laufen.
Das Herzstück ist der Märchenbrunnen im westlichen Teil des Parks: ein neobarocker Brunnen aus dem Jahr 1913, umgeben von lebensgroßen Figuren aus Grimms Märchen. Kostenlos und frei zugänglich, ist er einer der underdiskutierten Orte Berlins. Die Figuren sind detailreich, die Anlage weitläufig, und an einem ruhigen Morgen ist es hier verblüffend schön.
Die zwei Hügel im Park – im Volksmund Bunkerberge – sind aus Trümmern des Zweiten Weltkriegs aufgeschüttet. Sie sind steil genug für ordentliche Rodelpartien und bieten von oben freie Sicht über den Ostteil der Stadt. Im Sommer läuft auf einer Wiese das Freiluftkino – Programmdetails findet man beim Freiluftkino Friedrichshain.
Tempelhofer Feld: Das Flugfeld als Park
355 Hektar, mitten in der Stadt, komplett flach und fast unbebaut. Das Tempelhofer Feld ist das ehemalige Flughafen-Vorfeld des Flughafens Tempelhof, der 2008 geschlossen wurde. Seitdem ist es öffentlicher Park – und einer der ungewöhnlichsten Berlins.
Auf den alten Start- und Landebahnen fahren Menschen Fahrrad, Inlineskates und Longboard. Drachenflieger nutzen die Freifläche. Barbecue-Zonen sind ausgewiesen, urbane Gärten bewirtschaften Parzellen am Rand. Fahrräder kann man am Eingang für etwa 5 Euro pro Stunde ausleihen. Die totale Weite ist das Besondere – man sieht den Horizont, was in einer Großstadt selten ist.
Das Tempelhofer Feld ist keine romantische Parkanlage, sondern ein demokratisch genutzter Freiraum. Abends kommen Familien, Sportler, Grillende, Hundebesitzer. Es ist laut und lebendig, und manchmal klingt es wie eine Stadt in der Stadt.
Viktoriapark in Kreuzberg
Der Viktoriapark ist mit 14 Hektar der kleinste der hier vorgestellten Parks, aber er hat etwas, das die anderen nicht haben: einen Wasserfall. Von Mai bis Oktober fließt ein künstlicher Bach den Kreuzberg-Hügel hinunter, rauscht über Felsen und sammelt sich in einem kleinen Becken. Unten sitzen die Leute und schauen zu.
Auf dem Kreuzberg (66 Meter hoch, höchste natürliche Erhebung im innerstädtischen Bereich) steht ein Denkmal zu den Befreiungskriegen gegen Napoleon. Von dort oben hat man einen der besten Blicke über den westlichen Teil Berlins. An den Hängen wächst Wein – tatsächlich. Die Reben werden jährlich gelesen, und der produzierte Wein wird symbolisch versteigert.
Treptower Park und sowjetisches Ehrenmal
Der Treptower Park am südlichen Spreeufer ist großzügig, ruhig und weniger überlaufen als Tiergarten oder Tempelhofer Feld. Der Rosengarten blüht im Juni und Juli. Am Ufer liegen Boote, man kann spazieren oder einfach sitzen und die Spree beobachten.
Das sowjetische Ehrenmal im Park ist kostenlos zugänglich und beeindruckt durch seine schiere Größe: Granit aus dem abgerissenen Berliner Stadtschloss, eine 12 Meter hohe Bronzefigur, zwei geschwungene Steinflaggen als Eingang. Es ist ein Monument, das man ernst nehmen muss – nicht weil man mit allem einverstanden sein muss, was es symbolisiert, sondern weil die 7.000 sowjetischen Soldaten, die hier begraben sind, real waren.
Wer Parks und Natur in Berlin sucht, wird nie weit laufen müssen. Für die Wasserseite der Stadt gibt es einen eigenen Artikel über Spreefahrten, der zeigt, wie man Berlin vom Wasser aus erlebt.
Volkan Yavuz
Redakteur bei bevoflats. Kennt jeden Kiez und jede Abkürzung durch die Stadt.