Radtour an der Havel: Von Wannsee nach Potsdam
Berat Murati
Die Strecke von Wannsee nach Potsdam gehört zu den schönsten Radtouren in der Berliner Umgebung. Zwanzig Kilometer flache Wege entlang der Havel, vorbei an Schlössern, Seen und alten Brücken, die Geschichte erzählen. Man braucht kein Rennrad und keine Kondition eines Triathleten, nur ein funktionierendes Fahrrad und einen halbwegs sonnigen Tag.
Anreise: S-Bahn nach Wannsee
Der einfachste Ausgangspunkt ist der S-Bahnhof Wannsee, erreichbar mit der S1 oder S7 in rund dreißig Minuten vom Hauptbahnhof. Fahrräder dürfen in der S-Bahn mitgenommen werden, allerdings nicht in der Hauptverkehrszeit montags bis freitags zwischen sechs und neun Uhr morgens sowie zwischen sechzehn und achtzehn Uhr. Die Wagen mit dem Fahrradsymbol auf der Tür sind die richtigen. An Wochenenden gibt es diese Einschränkungen nicht.
Wer kein eigenes Fahrrad hat, findet direkt am Bahnhof Wannsee Möglichkeiten zur Ausleihe. Lokale Verleiher verlangen in der Regel zwischen fünfzehn und achtzehn Euro pro Tag, bevorzugt in bar. Wer die Nextbike-App nutzt, kommt auf etwa neun Euro täglich. Die App-Lösung ist flexibler, weil man das Rad in Potsdam abgeben kann, statt zurückfahren zu müssen. Allerdings sind die Stationen nicht überall entlang der Strecke vorhanden, also vorher die App checken.
Etappe 1: Wannsee bis zur Pfaueninsel
Vom Bahnhof führt der Weg zunächst durch das ruhige Villenviertel am Großen Wannsee, südlich der Havel. Nach wenigen Minuten erreicht man die Fähre zur Pfaueninsel. Die Überfahrt kostet 3,50 Euro, ist kurz und eine kleine Attraktion für sich: ein offenes Holzboot, das zwischen den bewaldeten Ufern pendelt. Achtung: Fahrräder sind auf der Pfaueninsel nicht erlaubt. Wer die Insel besuchen möchte, lässt das Rad am Anleger stehen und geht zu Fuß. Auf der Insel befinden sich ein Schloss aus dem 18. Jahrhundert und ein Tiergehege mit Pfauen und anderen Tieren, der Eintritt fürs Gelände ist kostenlos, nur für das Schlossinnere wird eine Gebühr erhoben.
Wer die Pfaueninsel auslässt, fährt einfach am Ufer weiter südlich. Beide Wege treffen sich kurz darauf wieder, und man kann zügig weiterkommen.
Etappe 2: Glienicker See und die Brücke der Spione
Der zweite Abschnitt führt entlang des Glienicker Sees in Richtung Glienicker Brücke. Diese Brücke ist für Geschichtsinteressierte ein besonderer Stopp: Hier wurden während des Kalten Krieges mehrfach Agenten und Gefangene zwischen Ost und West ausgetauscht. Tafeln auf der Brücke erklären die Geschichte dieser Übergaben, von denen der bekannteste 1962 stattfand, als der US-Pilot Gary Powers gegen den sowjetischen Spion Rudolf Abel getauscht wurde.
Ein kurzer Abstecher lohnt sich zum Schloss Glienicke, das direkt an der Brücke liegt. Der Eintritt kostet rund sechs Euro, das Gebäude selbst ist ein elegantes Landhaus im klassizistischen Stil, umgeben von einem weitläufigen Park. Wer nicht ins Innere möchte, kann den Park kostenlos betreten und vom Ufer aus über die Havel schauen.
Etappe 3: Babelsberg bis Potsdam
Hinter der Glienicker Brücke beginnt das Potsdamer Stadtgebiet. Der Weg führt durch Babelsberg, bekannt durch die Filmstudios, und dann weiter in Richtung Innenstadt. Auf diesem Abschnitt wird es etwas städtischer, aber der Havelradweg ist durchgehend gut ausgeschildert. Man folgt einfach den blauen Schildern mit dem Fahrradpiktogramm.
Etappe 4: Sanssouci
Das Schloss Sanssouci ist der touristisch prominenteste Punkt der Strecke. Für die meisten Besucher ist es auch der Hauptgrund für die Tour. Der Park ist groß und gepflegt, Fahrräder sind auf einigen Wegen erlaubt, in anderen Bereichen sollte man das Rad schieben. Schilder zeigen an, wo gefahren werden darf. Wer Sanssouci mit Muße besichtigen möchte, braucht mindestens zwei Stunden. Der Eintritt ins Schlossinnere kostet je nach Gebäude zwischen acht und zwölf Euro, der Park selbst ist frei zugänglich.
Rückfahrt und Timing
Von Potsdam Hauptbahnhof fährt die S7 direkt nach Berlin zurück. Fahrräder sind außerhalb der Sperrzeiten erlaubt. Für die gesamte Tour, inklusive Stopps an der Pfaueninsel, der Glienicker Brücke und Sanssouci, sollte man fünf bis sechs Stunden einplanen. Wer schneller fährt und Stopps kürzt, schafft es auch in vier Stunden.
Die besten Monate sind April bis Oktober. Im Sommer kann es auf den ufernahen Abschnitten sehr heiß werden, da kaum Schatten vorhanden ist. Genug Wasser mitnehmen, Sonnenschutz auftragen und eine Windjacke einpacken, für den Fall, dass der Wind von der Havel aufkommt. Bei Regen ist die Tour technisch machbar, aber wenig erfreulich.
Wer mehrere Tage in Berlin verbringt, kann die Tour gut in das Wochenprogramm einbauen. Von einer zentralen Unterkunft aus, zum Beispiel in Mitte oder Schöneberg, ist der S-Bahnhof Wannsee gut erreichbar. Wer auf der Suche nach weiteren Ausflügen in die Region ist, findet Ideen auch in unserem Beitrag über Werder an der Havel.
Berat Murati
Gründer von bevoflats. Berliner aus Leidenschaft, Gastgeber aus Überzeugung.