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Praktische Tipps

Sonntag in Berlin: Was geöffnet hat (und was nicht)

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Jakob Schick

1 dhjetor 2025·8 min Lesezeit

Sonntags sind in Deutschland fast alle Geschäfte geschlossen. Das Ladenschlussgesetz ist streng, und auch in Berlin gilt: Supermärkte, Drogerien und die meisten Geschäfte haben sonntags zu. Wer das zum ersten Mal erlebt, steht vor verschlossenen Türen. Aber Berlin wäre nicht Berlin, wenn es nicht genug Alternativen und Schlupflöcher gäbe.

Was sonntags ganz normal geöffnet hat

Die gute Nachricht: Restaurants, Cafés, Bars, Museen, Kinos und Theater haben sonntags ganz normal geöffnet. Der Sonntag ist sogar ein besonders guter Tag für einen Brunch, viele Cafés bieten spezielle Sonntagskarten an. In Kreuzberg und Neukölln ist der Sonntagsbrunch praktisch eine Institution.

Spätis (Berlins Kioske) haben sowieso immer offen, auch sonntags. Hier bekommt man Getränke, Snacks, Zigaretten, Eis und die wichtigsten Alltagsdinge. Es gibt allerdings eine juristische Grauzone: Offiziell dürften Spätis sonntags nicht öffnen, praktisch tun es fast alle. Berlin drückt da ein Auge zu.

Bäckereien dürfen sonntags für einige Stunden öffnen, meistens von 7 bis 12 oder 14 Uhr. Frische Brötchen und Kuchen am Sonntagmorgen sind also kein Problem.

Supermärkte am Sonntag: Die Bahnhofs-Ausnahme

Die wichtigste Ausnahme vom Ladenschlussgesetz: Geschäfte in Bahnhöfen dürfen auch sonntags öffnen. Das nutzen Berliner regelmäßig. Die besten Optionen:

  • Hauptbahnhof: REWE, dm Drogeriemarkt, und diverse kleine Läden. Die größte Auswahl am Sonntag. Öffnungszeiten meistens 8:00-22:00.
  • Friedrichstraße (S-Bahnhof): REWE To Go mit gutem Sortiment. Kleiner als der Hauptbahnhof, aber ausreichend für das Nötigste.
  • Ostbahnhof: REWE und weitere Geschäfte. Gut erreichbar aus Friedrichshain und Kreuzberg.
  • Südkreuz: REWE, praktisch für alle, die südlich des S-Bahn-Rings wohnen.
  • Zoologischer Garten: REWE und diverse Imbisse. Die beste Option für den Westen.

Die Preise in Bahnhofs-Supermärkten sind identisch mit normalen Filialen. Das Sortiment ist etwas kleiner, aber für einen normalen Einkauf reicht es. Tipp: Sonntagvormittag kommen, nachmittags wird es voll.

Tankstellen: Der Notfall-Plan

Wenn selbst der Bahnhof zu weit weg ist: Tankstellen haben rund um die Uhr geöffnet und verkaufen neben Benzin auch Lebensmittel, Getränke und Hygieneartikel. Die Auswahl ist begrenzt und die Preise höher als im Supermarkt, aber im Notfall funktioniert es.

In Kreuzberg und Neukölln findet man außerdem türkische und arabische Lebensmittelgeschäfte, die sonntags teilweise geöffnet haben. Die Legalität ist unklar, aber das Angebot an frischem Obst, Gemüse und Brot ist hervorragend.

Flohmärkte: Berlins Sonntags-Tradition

Berlins beste Flohmärkte finden sonntags statt. Das ist kein Zufall, denn wenn die Geschäfte geschlossen haben, zieht es die Berliner auf die Märkte.

Mauerpark-Flohmarkt

Der bekannteste und größte Flohmarkt Berlins. Jede Woche kommen tausende Besucher, Touristen und Berliner gleichermaßen. Man findet Vintage-Kleidung, Platten, Möbel, Schmuck und alles dazwischen. Die Karaoke-Session im Amphitheater ist legendär. Der Mauerpark wird voll, besonders bei gutem Wetter. Früh kommen (ab 10 Uhr) lohnt sich.

Boxhagener Platz

Kleiner und entspannter als der Mauerpark. Der "Boxi" ist der Flohmarkt für Friedrichshain: gute Auswahl, faire Preise, und danach auf ein Bier in eine der umliegenden Bars. Samstags ist auf dem gleichen Platz Wochenmarkt.

RAW-Gelände

Auf dem Gelände des ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerks findet sonntags ein kleiner, aber feiner Flohmarkt statt. Die Mischung aus Industriekulisse und Ständen mit Vintage-Klamotten und Handgemachtem hat ihren eigenen Charme.

Nowkoelln Flowmarkt

Am Maybachufer in Neukölln, direkt am Landwehrkanal, findet alle zwei Wochen sonntags der Flowmarkt statt. Schwerpunkt auf Design, Kunst und Handwerk, weniger Trödel als auf anderen Märkten.

Museen und Kultur am Sonntag

Der Sonntag ist ein hervorragender Museumstag. Alle großen Museen haben geöffnet, viele bieten am Sonntag spezielle Führungen an. Ein paar Empfehlungen:

  • Museumsinsel: Pergamonmuseum, Neues Museum, Alte Nationalgalerie. Der Museumspass (32 €) lohnt sich ab dem zweiten Museum.
  • Hamburger Bahnhof: Berlins wichtigstes Museum für zeitgenössische Kunst. Sonntags gut besucht, aber selten überfüllt.
  • Jüdisches Museum: Beeindruckende Architektur von Daniel Libeskind und eine bewegende Dauerausstellung.
  • Berlinische Galerie: Moderne Kunst, Fotografie und Architektur. Jeden ersten Montag im Monat freier Eintritt, aber auch sonntags einen Besuch wert.

Sonntagsspaziergänge: Wo Berlin am schönsten ist

Sonntags gehört die Stadt den Spaziergängern. Ein paar Routen, die sich lohnen:

  • Landwehrkanal: Vom Kottbusser Tor entlang des Kanals Richtung Tiergarten. Unterwegs Kaffee beim Concierge Coffee am Paul-Lincke-Ufer.
  • Tiergarten: Berlins größter Innenstadtpark. Man kann stundenlang spazieren, ohne die gleiche Ecke zweimal zu sehen.
  • Tempelhofer Feld: Die ehemalige Landebahn des Flughafens Tempelhof ist heute ein riesiger Park. Sonntags fahren hier Familien Fahrrad, Kitesurfer nutzen den Wind, und auf den Wiesen wird gegrillt.
  • Spree-Ufer: Von der Oberbaumbrücke Richtung Treptower Park. An der East Side Gallery vorbei, dann am Wasser entlang bis zum Sowjetischen Ehrenmal.

Der perfekte Sonntag in Berlin

Morgens zum Bäcker um die Ecke, Brötchen und Croissants holen. Dann in Ruhe in der Ferienwohnung frühstücken. Gegen Mittag auf einen Flohmarkt, nachmittags in ein Museum oder einen Spaziergang am Kanal. Abends in ein Restaurant, die sind alle geöffnet. Und für alles, was man vergessen hat, gibt es den Späti.

Der Sonntag in Berlin ist kein Nachteil, er ist eine Chance. Die Stadt wird ruhiger, die Parks voller, und man erlebt Berlin so, wie die Berliner selbst es leben. Einfach langsamer machen und den Tag genießen.

JS

Jakob Schick

Redakteur bei bevoflats. Immer auf der Suche nach dem besten Café um die Ecke.