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Im Kiez

Schöneberg: Zwischen Regenbogenkiez und Kleistpark

VY

Volkan Yavuz

20 Aralık 2025·5 min Lesezeit

Schöneberg hat zwei Gesichter, die sich nicht widersprechen, sondern ergänzen: ein bürgerliches, gutbürgerliches West-Berlin mit Stuckfassaden und gepflegten Hinterhöfen auf der einen Seite, und auf der anderen das älteste und bekannteste LGBT+-Viertel Europas. Wer durch Schöneberg läuft, bewegt sich zwischen diesen beiden Welten, oft ohne es zu merken – weil sie längst ineinandergewachsen sind.

Nollendorfplatz – Das Zentrum des Regenbogenkiezes

Der Nollendorfplatz ist der Mittelpunkt des Regenbogenkiezes, jenes Viertels rund um die Motzstraße, Fuggerstraße und Eisenacher Straße, das seit den 1970er-Jahren eines der sichtbarsten schwul-lesbischen Wohnviertel Europas ist. Am Ausgang der U-Bahn Nollendorfplatz erinnert eine Gedenktafel an die homosexuellen und lesbischen Opfer des Nationalsozialismus – eine unscheinbare Plakette, die leicht übersehen wird, aber zeigt, was dieser Ort trägt.

Literarisch ist der Platz mit einem Namen verbunden: Christopher Isherwood, der britische Schriftsteller, lebte in den frühen 1930er-Jahren in Schöneberg und schrieb hier seine Erzählungen, die später als Vorlage für das Musical Cabaret dienten. Das Buch Goodbye to Berlin ist bis heute die genaueste literarische Beschreibung des Viertels – auch wenn sich das Viertel seit damals in allem verändert hat außer in seiner Neigung, Menschen zu empfangen, die anderswo weniger Platz haben.

Die Bars und Cafés rund um den Nollendorfplatz sind offen, divers und ohne Türpolitik. Es gibt keinen besten Ort – wer durch die Straßen läuft, findet schnell, was zum Abend passt.

David Bowie in der Hauptstraße

In der Hauptstraße 155 lebte David Bowie von 1976 bis 1978. Iggy Pop wohnte in einer Nachbarwohnung. Die beiden hatten Berlin als Rückzugsort gewählt – weg vom Londoner Musikbetrieb, weg von Los Angeles, hin zu einer Stadt, die damals noch Mauerstadt war und einen bestimmten Freiheitsraum bot, der sich schwer erklären lässt.

In dieser Wohnung entstand das Album Heroes, das zu den bedeutendsten Rockalben der Musikgeschichte zählt. Eine kleine Gedenktafel am Eingang erinnert daran. Fans aus aller Welt stehen hier, machen ein Foto, bleiben kurz stehen. Das Haus ist bewohnt, kein Museum – aber der Ort hat eine Wirkung, die sich nicht vollständig mit dem Bild erklären lässt.

Wer danach mehr über Bowies Berliner Zeit verstehen möchte, liest Clinton Heylin oder hört das Album mit den Liner Notes. Die Hauptstraße selbst ist eine breite, unspektakuläre Straße – der Kontrast zwischen Biografie und Straßenbild macht den Ort interessant.

Winterfeldtmarkt – Berlins beliebtester Samstagmarkt

Der Winterfeldtmarkt auf dem Winterfeldtplatz findet samstags von 8 bis 14 Uhr statt und gilt unter Berlinern als der beste Wochenmarkt der Stadt. Das ist kein leerer Anspruch: Die Auswahl ist hoch, die Qualität konstant, und die Brunch-Atmosphäre drumherum – Cafés öffnen früh, Menschen sitzen mit Kaffee auf den Stufen der umliegenden Gebäude – macht den Marktbesuch zu einem Erlebnis, das länger dauert als geplant.

Wer früh kommt – vor 10 Uhr – hat die beste Auswahl an frischen Produkten und kürzere Schlangen. Bio-Käse aus Brandenburg, Fisch aus der Nordsee, frische Pasta, Blumen, Brot, Gewürze: Der Markt deckt alles ab, was man für ein gutes Wochenendfrühstück braucht. Wer erst um 13 Uhr kommt, kauft, was übrig ist – auch das hat seinen Charme, wenn man es als Schnäppchenrunde versteht.

KaDeWe und Wittenbergplatz

Vom Winterfeldtplatz sind es nur wenige Minuten zum Wittenbergplatz und dem KaDeWe. Der sechste Stock des Kaufhauses beherbergt Deutschlands größtes Luxus-Lebensmittelangebot: Austern, Trüffel, internationale Delikatessen, mehrere Bars und Stehbuffets, an denen man für 8 bis 15 Euro sehr gut speisen kann, ohne sich für ein Restaurant anmelden zu müssen. Das Angebot ist opulent, die Preise sind es auch – aber der freie Rundgang durch die Abteilung kostet nichts und zeigt, was Berliner Luxus-Konsum bedeutet.

Der Wittenbergplatz selbst ist einer der schönsten U-Bahn-Eingänge Berlins – ein historisches Pavillongebäude aus dem frühen 20. Jahrhundert, das trotz aller Modernisierungen seinen Charakter behalten hat. Wer einen Moment innezuhalten sucht: hier ist ein guter Ort.

Barbarossaplatz und die ruhigen Straßen

Schöneberg hat jenseits seiner bekannten Plätze ein Geflecht aus ruhigen Wohnstraßen, das dem Bezirk seine eigentliche Qualität gibt. Rund um den Barbarossaplatz finden sich lokale Bäckereien, Nachbarschaftsrestaurants und Kiez-Cafés, die in keinem Reiseführer stehen – und das aus gutem Grund. Sie sind für die Leute da, die hier wohnen, nicht für Besucher.

Das ist nicht als Abweisung gemeint. Es bedeutet: Wer hier hineinsitzt, sitzt zwischen Schönebergern, bekommt keine Touristenversion der Speisekarte und zahlt normale Berliner Preise. Das ist in Berlin mittlerweile seltener als man denkt.

Kleistpark – Geschichte in einem Stadtgarten

Der Kleistpark an der Potsdamer Straße ist ein ruhiger historischer Park, der von einem der bedeutendsten Justizgebäude Berlins flankiert wird: dem Kammergericht. Das Gebäude diente in der NS-Zeit als Volksgerichtshof – hier wurden Todesurteile gefällt. Heute ist es der Sitz des Berliner Kammergerichts, also wieder ein reguläres Justizgebäude. Der Park selbst ist offen, mit altem Baumbestand und Bänken. Historisch geladen ohne Hinweistafeln überall.

Der Park eignet sich als Abschluss eines Schöneberg-Spaziergangs: klein, unaufgeregt, und ein guter Platz, um kurz sitzen zu bleiben, bevor es weitergeht.

Praktische Hinweise

Anreise

U1/U2/U3/U4 Nollendorfplatz für den Regenbogenkiez. U7 Kleistpark für den Südteil des Bezirks. U1/U2/U3 Wittenbergplatz für KaDeWe. S1 Schöneberg für Hauptstraße und Winterfeldtplatz-Bereich.

Wann?

Winterfeldtmarkt samstags 8–14 Uhr, am besten vor 10 Uhr. Nollendorfplatz-Bars abends und nachts. KaDeWe werktags ruhiger als am Wochenende. Kleistpark täglich.

Kosten im Überblick

  • Winterfeldtmarkt: kostenlos (Einkäufe variabel)
  • Nollendorfplatz-Gedenktafel: kostenlos
  • Bowie-Gedenktafel Hauptstraße: kostenlos
  • KaDeWe Besichtigung: kostenlos
  • Kleistpark: kostenlos

Schöneberg ist ein Bezirk, der keine große Ankündigung braucht. Man spaziert rein, findet den Markt, sitzt irgendwo mit Kaffee, läuft an der Hauptstraße 155 vorbei und merkt, dass hier mehr passiert als der erste Blick zeigt. Unsere Apartments liegen so, dass Schöneberg in wenigen Minuten erreichbar ist – gut genug für einen Morgen auf dem Winterfeldtmarkt und einen Abend am Nollendorfplatz.

VY

Volkan Yavuz

Redakteur bei bevoflats. Kennt jeden Kiez und jede Abkürzung durch die Stadt.