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Essen & Trinken

Kaffeeröstereien: Wo Berlin seinen Kaffee röstet

BM

Berat Murati

10 de febrero de 2026·6 min Lesezeit

Berlin ist nicht die lauteste Kaffeestadt Europas – aber vielleicht die ernsthafteste. Wer in der deutschen Hauptstadt Kaffee trinkt, bekommt selten nur Koffein. Er bekommt Herkunft, Handwerk und oft auch eine Geschichte über den Bauern, der die Bohnen angebaut hat. Nach Wien ist Berlin mittlerweile die bedeutendste Specialty-Coffee-Stadt im deutschsprachigen Raum, mit einer Szene, die seit den frühen 2000ern gewachsen ist und heute internationale Maßstäbe setzt.

The Barn – Filterkaffee als Philosophie

Wer zum ersten Mal die Schönhauser Allee 8 in Prenzlauer Berg betritt, ist vielleicht überrascht. Keine Kunstdrucke, keine Zimmerpflanzen – The Barn ist spartanisch eingerichtet, fast klinisch. Das ist Absicht. Hier soll der Kaffee sprechen. Das Rösthaus, 2010 von Ralf Rüller gegründet, gilt als Pionier der deutschen Specialty-Szene und hat den Filterkaffee in Berlin salonfähig gemacht. Der Flat White und die Espressovariantren sind tadellos, aber wer die Küche wirklich versteht, bestellt den Pour-over oder den Cold Brew. Preise: 4–5 Euro für Filtergetränke. Geöffnet Mo–Fr 8–18 Uhr, Sa–So 9–18 Uhr. Bohnen zum Mitnehmen gibt es im Laden und online – das Single-Origin-Angebot wechselt je nach Ernte.

Bonanza Coffee – Der Wegbereiter aus Prenzlauer Berg

Oderberger Str. 35, ebenfalls Prenzlauer Berg: Bonanza Coffee wurde 2006 gegründet und ist damit eine der ältesten Specialty-Röstereien Berlins. Das Café hat eine warme, von Holz geprägte Atmosphäre – einen deutlichen Kontrast zur Nüchternheit des Barns. Bonanza setzt auf Direct Trade: Die Gründer reisen selbst zu den Farmen, was sich in der Qualität der Bohnen niederschlägt. Am Wochenende bietet Bonanza gelegentlich Rösterei-Touren an, bei denen man dem Team beim Rösten zusehen und die Maschinen erkunden kann. Anmeldung empfohlen, da die Gruppen klein gehalten werden. Wer ohne Tour kommt: Ein Cappuccino hier gehört zu den verlässlichsten in der Stadt.

Father Carpenter – Australischer Stil im Berliner Hinterhof

Versteckt in einem Hinterhof in Mitte, Münzstr. 21, empfängt Father Carpenter mit dem Charme einer Kaffeebar aus Melbourne oder Sydney. Der australische Einfluss ist spürbar: flache Whites sind präzise extrahiert, das Essen ist auf dem Niveau eines All-Day-Brunch-Lokals, und die Atmosphäre ist entspannt, ohne nachlässig zu sein. Im Sommer wird Cold Brew zur Pflichtbestellung – hausgemacht, 12 Stunden gezogen, mit oder ohne Milch. Die Preise liegen bei 3,80–5 Euro für Kaffeegetränke. Der Hinterhof ist an warmen Tagen ein gut gehütetes Geheimnis, das sich aber schnell herumspricht.

Five Elephant – Käsekuchen und Kaffee als Einheit

Five Elephant in Kreuzberg, Reichenberger Str. 101, ist für zwei Dinge berühmt: den Specialty-Kaffee und den New-York-Käsekuchen. Beides hat Kultstatus. Das Rösthaus bezieht Bohnen aus wenigen, sorgfältig ausgewählten Quellen und röstete über viele Jahre hinweg besonders hell – für Kaffeekenner ein Qualitätsmerkmal, das Süße und Fruchtigkeit betont. Empfehlung: den Pour-over bestellen und dabei einen Slice Käsekuchen. Preise für Kaffee: 4–5 Euro. Five Elephant hat auch einen kleineren zweiten Standort in Mitte (Alte Schönhauser Str. 14), aber die Atmosphäre in Kreuzberg ist schwer zu toppen.

NANO Kaffee – Kleine Rösterei, große Bohnen

Auf der Boxhagener Str. 26 in Friedrichshain betreibt NANO Kaffee eine der kleinsten Röstereien der Stadt – und gehört trotzdem zu den interessantesten Adressen für Kaffeefans. Das Sortiment rotiert: Wer im Januar einen bestimmten äthiopischen Naturkaffee entdeckt, findet ihn im März womöglich schon nicht mehr. Das ist gewollt. NANO arbeitet mit kleinen Mengen, saisonalen Ernten und wechselnden Herkünften. Das Café ist unaufgeregt eingerichtet, die Stühle sind unbequem, und genau das fühlt sich hier richtig an. Kein Ort zum Arbeiten – ein Ort zum Trinken.

Fjord Coffee – Skandinavisch in Schöneberg

Den vielleicht besten Oat-Milk-Flat-White Berlins gibt es in Schöneberg, Akazienstr. 27. Fjord Coffee ist skandinavisch inspiriert, was sich in Helligkeit, Schlichtheit und einem ausgeprägten Sinn für Milchqualität ausdrückt. Die Haferdruckvariante ist hier kein nachträglicher Gedanke, sondern eine ernst genommene Alternative, der man das anmerkt. Wer nachmittags kommt, findet oft noch ein Stück Zimtschnecke – auch das eine kleine nordische Hommage. Das Café hat eine treue Stammkundschaft aus dem Kiez und ist deshalb werktags ruhiger als andere Standorte.

Praktisches für den Kaffee-Besuch

Timing

Alle genannten Röstereicafés sind am Wochenende voll. Wer in Ruhe trinken möchte, kommt werktags zwischen 9 und 11 Uhr – dann sind die Queues kurz und der Barista hat Zeit für ein Gespräch über die aktuelle Bohne.

Preise

Specialty Coffee kostet in Berlin zwischen 3,50 und 5,50 Euro pro Getränk. Das ist mehr als im Bäckereikaffee nebenan – aber weit weniger als in London oder Amsterdam. Wer hausgemachte Alternativen zu Touristenkaffeeketten sucht, ist gut beraten.

Bohnen zum Mitnehmen

The Barn, Bonanza und Five Elephant verkaufen ihre Röstungen im Laden. 250g kosten meistens zwischen 12 und 18 Euro – je nach Herkunft und Verarbeitungsmethode. Wer unsicher ist, fragt einfach: Alle drei Läden erklären ihre Bohnen gern.

Cupping-Events

Bonanza und The Barn bieten gelegentlich öffentliche Cuppings an – Kaffeeverkostungen nach professionellen Standards. Die Termine werden über Instagram angekündigt und sind oft schnell ausgebucht. Einfach folgen und rechtzeitig anmelden.

Wer nach Berlin reist und morgens guten Kaffee trinken möchte, ist in keinem anderen deutschen Stadtbezirk besser aufgehoben als hier. Unsere Apartments in Kreuzberg, Mitte und Prenzlauer Berg liegen fast alle in Laufweite zu mindestens einer dieser Adressen – mit dem Stadtplan im Kopf wird der erste Kaffee des Tages schnell zur kleinen Entdeckungsreise.

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Berat Murati

Gründer von bevoflats. Berliner aus Leidenschaft, Gastgeber aus Überzeugung.