Fahrrad leihen in Berlin: Anbieter und Routen
Volkan Yavuz
Berlin ist eine Fahrradstadt. Das Gelände ist flach, die Wege sind lang, und wer die Stadt wirklich verstehen will, tut das am besten vom Sattel aus. Kein Bus und kein Taxi zeigt dir, wie nah Kreuzberg und Mitte eigentlich beieinander liegen, wie ein Kanal aus dem Stadtlärm herausführt oder wie sich ein Berliner Morgen anfühlt, wenn die Straßen noch leer sind. Mit dem Fahrrad merkst du das alles. Kein Wunder, dass Berlin seit Jahren sein Radwegenetz ausbaut – über 1.600 Kilometer Radwege gibt es mittlerweile in der Stadt, Tendenz steigend.
Wer kein eigenes Rad mitbringt, hat trotzdem viele Möglichkeiten. Die Anbieter unterscheiden sich in Preis, Reichweite und Qualität – je nach Aufenthaltsdauer und Nutzungsverhalten lohnen sich verschiedene Optionen.
Anbieter im Vergleich
Nextbike
Nextbike ist das flächendeckendste stationsgebundene Leihsystem in Berlin. Rund 300 Stationen verteilen sich über das Stadtgebiet, vom Prenzlauer Berg bis nach Spandau. Das Prinzip ist einfach: Rad an einer Station ausleihen, an einer beliebigen anderen abgeben. Der Preis liegt bei einem Euro pro 30 Minuten, ein Tagespass kostet neun Euro. Registrierung läuft über die App oder die Website. Nextbike eignet sich besonders gut für spontane Einzelfahrten und für alle, die keine längere Planung wollen. Die Räder sind zweckmäßig, keine Schönheiten – aber sie funktionieren.
Lime
Lime hat in Berlin eine große Flotte aus E-Rollern und E-Bikes im Einsatz. Kein Stationssystem, kein fester Abgabepunkt – du scannst das Fahrzeug per App, fährst los und lässt es am Ziel stehen. Für E-Scooter kostet das einen Euro Freischaltgebühr plus etwa 0,20 Euro pro Minute, für E-Bikes etwas mehr. Das klingt schnell teuer, ist aber für kürzere Punkt-zu-Punkt-Fahrten oft praktisch: keine Umwege zur nächsten Station, keine Suche nach einem Abstellplatz. Auf dem E-Bike durch Mitte oder entlang der Spree – das macht Spaß. Für lange Touren würde man zu viel bezahlen.
Donkey Republic
Donkey Republic arbeitet mit einem App-basierten Schlosssystem auf normalen Fahrrädern. Die Qualität liegt spürbar über Nextbike: stabilere Räder, bessere Schaltung, angenehmer zu fahren. Der Preis ist entsprechend höher – etwa vier Euro pro Stunde oder 15 Euro für den ganzen Tag. Die Räder stehen an vielen Standorten in der Stadt und können per App gebucht und entsperrt werden. Wer einen oder zwei Tage intensiv radeln möchte, ist mit einem Tagesticket gut bedient.
Swapfiets
Swapfiets ist kein klassischer Verleih, sondern ein Abo-Modell: Monatlich zahlt man 16 bis 19 Euro und bekommt dafür ein qualitativ hochwertiges Fahrrad zur Verfügung gestellt – mit dem Versprechen, dass defekte Räder innerhalb von 24 Stunden ersetzt werden. Für einen Aufenthalt von einer Woche oder länger kann sich das lohnen, gerade wenn man täglich viel unterwegs ist. Kein Minutenzählen, kein App-Stress. Das Rad gehört einem für die Zeit des Abos. Buchung und Abholung laufen über die Website.
Vier Routen durch Berlin
Am Landwehrkanal entlang (14 km)
Diese Strecke führt von Kreuzberg nach Charlottenburg, immer entlang des Kanals. Vierzehn Kilometer, kaum Steigungen, viel Schatten unter alten Bäumen. Man passiert die Admiralbrücke – im Sommer der Treffpunkt schlechthin, abends sitzen dort Dutzende Menschen –, radelt an kleinen Cafés und Booten vorbei und kommt langsam aus dem dichten Stadtgefüge heraus. Für einen halben Tag ist das die perfekte Strecke. Morgens ruhig, nachmittags lebhaft, abends unvergleichlich.
Tiergarten-Runde (8 km)
Acht Kilometer, vollständig im Park, kein Auto in Sicht. Der Tiergarten hat eigene Radwege, die Strecke führt an der Siegessäule vorbei und am Café am Neuen See, wo man ein Bier bestellen und direkt am Wasser sitzen kann. Diese Route ist für alle geeignet: Kinder, Anfänger, ältere Menschen. Einfach und schön. Einfahrt empfiehlt sich über die Straße des 17. Juni vom Brandenburger Tor aus.
Mauerweg-Abschnitt Friedrichshain/Kreuzberg (8 km)
Der Mauerweg ist insgesamt 160 Kilometer lang und führt einmal um die gesamte Stadt herum, dem ehemaligen Grenzverlauf folgend. Man muss ihn nicht am Stück fahren. Der Abschnitt von der East Side Gallery bis zur Bornholmer Brücke – etwa acht Kilometer durch Friedrichshain und Kreuzberg – ist gut ausgeschildert und historisch dicht. Infotafeln erklären, was hier stand, was verschwunden ist, was geblieben ist. Eine der lehrreichsten Fahrradstrecken in Berlin, ohne sich wie ein Museumsbesuch anzufühlen.
Müggelsee-Runde (20 km)
Für die Müggelsee-Runde fährt man zunächst mit der S-Bahn bis Friedrichshagen – Räder werden in den meisten S-Bahn-Zügen mitgenommen, außer zur Hauptverkehrszeit. Von dort sind es etwa 20 Kilometer um den See herum, durch Wald und an Badestränden vorbei. Diese Tour eignet sich gut für Familien. Das Tempo ist entspannt, die Strecke angenehm abwechslungsreich. Im Sommer kann man an einer der Badestellen eine Pause einlegen.
Sicherheit und Regeln
Wer neu in Berlin Rad fährt, sollte ein paar Grundregeln kennen. Auf den meisten Straßen gibt es rote Radwege – die sind vorgeschrieben und zu benutzen. Gibt es keinen Radweg, fährt man auf der Straße, nicht auf dem Gehweg. Fußgänger klingeln, bevor man überholt – das wird hier ernstenommen. Mietfahrräder sollten immer angeschlossen werden, auch wenn das Schloss dabei ist; ein zweites Schloss ist keine Übertreibung. Helm ist in Deutschland nicht vorgeschrieben, aber besonders bei E-Bikes empfehlenswert.
Einige Straßen meidet man als Fahrradfahrer besser: Karl-Marx-Allee und Potsdamer Platz sind eng, laut und unübersichtlich. Berlin-Besucher, die noch nicht an den städtischen Verkehr gewöhnt sind, fahren dort lieber gar nicht entlang. Und vor jeder längeren Tour lohnt sich ein kurzer Blick auf den Reifendruck – Mietfahrräder stehen oft länger rum als ihnen gut tut.
Wer in einer der zentralen Berliner Lagen übernachtet, kann viele dieser Routen direkt vom Apartment aus starten. Bei bevoflats-Apartments im Stadtzentrum ist das Fahrrad oft das schnellste Verkehrsmittel überhaupt – und mit Abstand das schönste.
Volkan Yavuz
Redakteur bei bevoflats. Kennt jeden Kiez und jede Abkürzung durch die Stadt.