bevo.flats
🌲
Blog
Im Kiez

Treptow-Köpenick: Berlins grünes Paradies

JS

Jakob Schick

15 Aralık 2025·5 min Lesezeit

Wer denkt, Berlin bestehe nur aus Betonplatten und Clubnächten, hat Treptow-Köpenick noch nicht gesehen. Der südöstlichste Bezirk der Stadt ist ein einziger Gegenentwurf: Wälder, Seen, eine mittelalterliche Altstadt und ein Fluss, der sich in Ruhe Zeit nimmt. Rund zwei Drittel des Bezirks stehen unter Naturschutz. Das klingt nach Ausflugsziel, ist aber für viele Berliner ganz normaler Alltag.

Treptower Park und das Sowjetische Ehrenmal

Der Treptower Park liegt direkt an der Spree, gut erreichbar mit S8, S9 oder S41 bis zur Station Treptower Park. Wer an einem Frühsommernachmittag durch das Haupttor geht und den langen Weg Richtung Ehrenmal einschlägt, ahnt zunächst nicht, worauf er zuläuft. Dann öffnet sich die Anlage.

Das Sowjetische Ehrenmal ist das größte außerhalb Russlands. 7.000 im Zweiten Weltkrieg gefallene sowjetische Soldaten sind hier begraben. Eine zwölf Meter hohe Bronzestatue eines Soldaten, der ein Kind auf dem Arm trägt und ein zerschlagenes Hakenkreuz unter seinen Stiefeln hat, überragt die gesamte Anlage. Die Figur ist so groß, dass man reflexartig einen Schritt zurücktritt. Darunter liegt eine Krypta, ausgelegt mit Mosaiken.

Der Eintritt ist frei, die Anlage täglich geöffnet. Beeindruckend und gleichzeitig nachdenklich stimmend – das ist kein Ort für schnelle Fotos und weiter. Man nimmt sich Zeit, liest die Inschriften, versteht besser, was dieser Krieg in Zahlen bedeutet hat. Kinder laufen manchmal zwischen den Granitplatten hindurch und merken, dass die Erwachsenen leiser werden.

Insel der Jugend

Keine 500 Meter vom Ehrenmal entfernt führt eine kleine Fußgängerbrücke auf eine Spreeinsel: die Insel der Jugend. Die Brücke kostet nichts, die Insel ebenfalls nichts – man betritt sie einfach. Im Sommer läuft hier das Café Atlantic, das Bier und einfache Gerichte serviert, während die Spree träge vorbeizieht. Boote kann man ausleihen, Kajaks kosten ungefähr 12 Euro pro Stunde.

Abends, wenn es noch hell ist, findet auf der Insel in den Sommermonaten das Freiluftkino statt. Decke mitbringen, Ticket kaufen, auf dem Rasen liegen, Film schauen. Das Programm wechselt regelmäßig, es gibt internationale Produktionen ebenso wie Berliner Klassiker. Die Insel der Jugend ist einer dieser Orte, an denen Berlin sich nicht anstrengt und trotzdem gut ist.

Alt-Köpenick: Eine Stadt in der Stadt

Mit der S3 bis Köpenick und dann ein paar Minuten zu Fuß – man steht plötzlich in einer anderen Zeit. Alt-Köpenick ist eine mittelalterliche Inselstadt, gegründet im 10. Jahrhundert, umgeben von Dahme und Müggelspree. Die schmalen Gassen, die alten Bürgerhäuser, die Ruhe: das hier ist nicht inszeniert, das ist einfach so geblieben.

Das Schloss Köpenick thront auf einer eigenen Insel und beherbergt das Kunstgewerbemuseum, der Eintritt liegt bei rund 6 Euro. Barocksilber, mittelalterliches Kunsthandwerk, ein überraschend dichtes Programm – das Museum wird unterschätzt, weil die meisten nur des Schlosses wegen kommen.

Den meisten Besuchern bekannt ist allerdings die Geschichte des Hauptmanns von Köpenick. 1906 zog sich Wilhelm Voigt, gelernter Schuster und mehrfach vorbestrafter Mann ohne gültige Papiere, eine Hauptmannsuniform an, kommandierte eine Gruppe Soldaten, marschierte ins Rathaus Köpenick, verhaftete den Bürgermeister und ließ die Stadtkasse aushändigen. Der echte Hauptmann kam erst Stunden später. Die Geschichte ging um die Welt und wurde zum Symbol des preußischen Kadavergehorsams – Uniform schlägt Verstand. Berlin feierte Voigt, als er nach kurzer Haft freigelassen wurde. Eine Dauerausstellung im Rathaus erinnert bis heute an die Aktion.

Müggelsee: Berlins größter See

Mit der S3 bis Friedrichshagen, dann zu Fuß zum Ufer – der Müggelsee empfängt einen mit acht Kilometern Umfang und einem Strandbad, das seit über hundert Jahren in Betrieb ist. Eintrittspreis: 4 Euro. Wer lieber kostenlos schwimmt, findet am Nordufer mehrere freie Badestrellen, weniger erschlossen, dafür ruhiger.

Den Müggelturm erreicht man nach einem Spaziergang durch den Wald. Drei Euro Eintritt, oben ein Panorama über den See und die Berliner Randwälder. Die Wanderung um den gesamten See herum ist acht Kilometer lang und schafft man an einem normalen Sommertag ohne Mühe. Unterwegs passiert man Bootsverleihe, Fischrestaurants und Abschnitte, an denen der Wald direkt ans Wasser reicht.

Grünau und das Wasser

Weiter südlich liegt Grünau, Berlins Regattastrecke. Hier trainieren Ruderer, hier werden Regatten ausgetragen, und hier gibt es Bootsverleihe, die keinen Kurs und keine besonderen Vorkenntnisse verlangen. Einfach hinfahren, Boot mieten, auf dem Wasser sein. Das klingt unspektakulär und ist es auch – aber auf eine Art, die man sich nach einigen Tagen Stadt dringend wünscht.

Treptow-Köpenick funktioniert das ganze Jahr über, aber der Sommer ist die richtige Jahreszeit. See, Boote, Freiluftkino, Café auf der Spreeinsel – der Bezirk ist dann in seinem Element. Wer von einer zentralen Unterkunft aus aufbricht, ist mit der S-Bahn in dreißig Minuten mitten drin.

Wer für ein paar Tage nach Berlin kommt und genau das erleben möchte – Stadt und Wasser, Geschichte und Stille – findet bei BevoFlats Apartments, von denen aus sich der Bezirk entspannt erkunden lässt.

JS

Jakob Schick

Redakteur bei bevoflats. Immer auf der Suche nach dem besten Café um die Ecke.