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Werder an der Havel: Baumblütenfest und Obstwein

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Matthias Richter

30 Aralık 2025·5 min Lesezeit

Wer im Frühjahr aus Berlin herausfahren will, ohne Stunden im Auto zu sitzen, findet kaum ein besseres Ziel als Werder an der Havel. Vierzig Minuten mit dem RE1 vom Hauptbahnhof, und man steht mitten in einem der bekanntesten Obstanbaugebiete Deutschlands. Im April und Mai, wenn die Kirsch-, Apfel- und Birnbäume gleichzeitig blühen, verwandelt sich die Region in ein Meer aus Weiß und Rosa. Kein Foto vermittelt das wirklich.

Das Baumblütenfest: Tradition seit über hundert Jahren

Das Baumblütenfest in Werder gehört zu den ältesten Volksfesten Brandenburgs. Seit mehr als hundert Jahren strömen Menschen aus Berlin und der gesamten Region in die Stadt, um die blühenden Obstgärten zu feiern, genauer gesagt den Obstwein zu trinken, der aus diesen Gärten kommt. Das Fest findet traditionell in der letzten Aprilwoche und der ersten Maiwoche statt, also rund um den Zeitpunkt, wenn Kirsch- und Apfelblüte ihren Höhepunkt erreichen. Über zehn Tage kommen insgesamt bis zu einer Million Besucher. An Wochenenden herrscht Volksfest-Stimmung mit allem, was dazugehört: Musik, Imbissbuden, Familien mit Kinderwagen und Rentner mit Plastikbechern.

Der Kern des Festes ist jedoch der Obstwein. Überall in der Stadt stehen Stände, an denen man für drei bis fünf Euro das Glas Wein aus Äpfeln, Kirschen oder Birnen bekommt. Die bekanntesten Produzenten, darunter Rabien Obstwein, Schulz Obstwein und das Weingut Zinn, haben eigene Ausschankstellen und teils auch Shops, in denen man Flaschen kaufen kann. Der Obstwein ist süßer und leichter als Traubenwein, manchmal fast schon wie ein Apfelsaft mit Kick, manchmal trockener und komplexer. Es lohnt sich, verschiedene Sorten zu probieren und zu vergleichen.

Die Inselstadt: Mittelalterliches Werder zu Fuß

Viele Tagestouristen beschränken sich auf das Festgelände und die Obstwein-Stände. Wer sich die Zeit nimmt, ein bisschen zu laufen, entdeckt eine der charmantesten Altstädte in der Berliner Umgebung. Die historische Inselstadt liegt auf einer kleinen Insel in der Havel und ist fast vollständig von Wasser umgeben. Die Bebauung stammt aus verschiedenen Jahrhunderten, aber der Kern ist mittelalterlich.

Vom Bismarckturm aus hat man einen der besten Blicke über die Havellandschaft und die Obstgärten. Der Aufstieg ist kurz und lohnt sich besonders bei klarem Wetter. Unten auf der Insel steht die St.-Nikolai-Kirche, deren Ursprünge ins 14. Jahrhundert zurückreichen. Das Innere ist schlicht und lutherisch-nüchtern, aber das Gebäude selbst ist beeindruckend in der kleinen Altstadt. Man sollte sich Zeit nehmen, durch die engen Gassen der Inselstadt zu schlendern, abseits der Hauptwege, wo die Touristenströme dünner werden.

Bootsfahrten auf der Havel

An Sommerwochenenden bieten mehrere Anbieter Bootsfahrten auf der Havel an. Vom Wasser aus sehen die Obstgärten am eindrucksvollsten aus, besonders im Mai, wenn die Blüte noch nicht ganz abgefallen ist. Die Fahrten dauern meist zwischen dreißig Minuten und zwei Stunden, je nach Route und Anbieter. Wer Glück hat, sieht von der Havel aus Reiher, Kormorane und manchmal auch Seeadler, die in der Region nisten.

Auch mit einem gemieteten Ruderboot oder Kanu lässt sich die Havellandschaft erkunden. Die Gewässer sind flach und ruhig genug für Anfänger, und man findet überall kleine Buchten und Uferabschnitte, an denen man anlegen und eine Pause machen kann.

Hofläden: Das ganze Jahr ein Grund zum Fahren

Das Baumblütenfest ist der berühmteste Anlass für einen Ausflug nach Werder, aber nicht der einzige. Die Region hat das ganze Jahr über geöffnete Hofläden, in denen man frisch gepresste Säfte, selbst gemachte Marmeladen, Chutneys und natürlich Obstwein kaufen kann. Im August und September, zur Ernte, lohnt sich ein zweiter Besuch: Die Obstgärten sind dann schwer mit reifen Äpfeln und Birnen, und viele Höfe bieten Selbstpflücken an.

Für einen Herbstausflug ist Werder deutlich ruhiger als während des Festivals. Man hat die Wege für sich, die Hofläden sind entspannt und die Luft riecht nach reifem Obst. Wer Wert auf Atmosphäre legt, fährt zweimal: einmal im Mai wegen der Blüte, einmal im September wegen der Ernte.

Anreise und praktische Hinweise

Der RE1 fährt werktags und am Wochenende regelmäßig vom Berliner Hauptbahnhof nach Werder. Die Fahrtzeit beträgt etwa vierzig Minuten, ein Einzelticket kostet rund acht Euro. Wer in einer Gruppe reist, lohnt sich das Brandenburg-Berlin-Ticket: Es gilt für bis zu fünf Personen im gesamten Berliner und Brandenburger Nahverkehr und kostet zwischen 29 und 42 Euro je nach Wochentag.

Wichtig für das Baumblütenfest: An Wochenenden sind die Züge stark ausgelastet. Wer sicher sitzen will, sollte früh fahren und Sitzplatzreservierungen in Betracht ziehen, auch wenn diese im Regionalverkehr nicht obligatorisch sind. Die Rückfahrt am frühen Abend ist erfahrungsgemäß besonders voll. Wer flexibel ist, wartet lieber ein oder zwei Stunden länger in Werder und fährt dann entspannt zurück.

Unterkunft braucht man für einen Tagesausflug nicht, aber wer die Region in Ruhe erkunden will, findet in Werder und Umgebung kleine Pensionen und Ferienwohnungen. Von einem zentral gelegenen Berliner Apartment aus lässt sich der Ausflug bequem als Tagesreise planen, ohne die Vorteile der Stadt aufzugeben.

MR

Matthias Richter

Redakteur bei bevoflats. Berliner Geschichte und Kultur sind seine Leidenschaft.