Street Food: Von Curry 36 bis Markthalle Neun
Volkan Yavuz
In keiner anderen deutschen Stadt isst man so gut auf die Hand wie in Berlin. Die Stadt hat eine Street-Food-Kultur, die aus Einwanderung, Kreativität und dem Berliner Hang zum Unkomplizierten gewachsen ist. Vom Currywurst-Original über den besten Döner bis zum internationalen Food Market: Wer Berlin kulinarisch verstehen will, fängt auf der Straße an.
Curry 36 — Mehringdamm
Die wahrscheinlich bekannteste Currywurstbude Berlins. Seit 1981 stehen hier Taxifahrer neben Touristen, Studenten neben Geschäftsleuten. Die Wurst kommt mit oder ohne Darm, die hauseigene Soße hat genau den richtigen Kick zwischen süß und scharf. Ein Klassiker, der seinen Ruf verdient hat.
Bestellt wird am Tresen, gegessen im Stehen an einem der Metalltische davor. Das gehört dazu. Die Pommes sind solide, aber die Wurst ist der Star. Ein Gericht plus Getränk kostet um die 5 Euro, günstiger wird ein Mittagessen in Berlin nicht.
Adresse: Mehringdamm 36. Öffnungszeiten: Täglich 9:00-5:00. Tipp: Wurst mit Darm bestellen, die hat mehr Biss. Und die scharfe Soße nehmen, nicht die milde.
Mustafas Gemüse Kebab — Mehringdamm
Direkt gegenüber von Curry 36 steht Mustafas Gemüse Kebab, und die Schlange davor ist legendär. Wartezeiten von 30-45 Minuten sind normal, an Wochenenden kann es auch länger dauern. Aber der Gemüse-Kebab mit gegrilltem Gemüse, Feta, einer geheimen Soße und knusprigem Fladenbrot ist tatsächlich so gut wie alle sagen.
Das Geheimnis ist das Gemüse: Zucchini, Paprika und Kartoffeln werden direkt über der Flamme geröstet und bekommen eine rauchige Note, die man bei anderen Kebab-Läden nicht findet. Die Soße ist cremig, leicht scharf, und bindet alles zusammen. Für Vegetarier ist das einer der besten Imbisse der Stadt.
Adresse: Mehringdamm 32. Budget: 5-7 €. Tipp: Unter der Woche um 15 Uhr kommen, dann ist die Schlange am kürzesten. Oder kurz vor Ladenschluss.
Markthalle Neun — Eisenbahnstraße
Die historische Markthalle aus dem Jahr 1891 hat eine wechselhafte Geschichte hinter sich. Nach Jahren des Leerstands wurde sie 2011 wiederbelebt und ist heute einer der wichtigsten kulinarischen Treffpunkte Kreuzbergs. Unter der Woche betreiben hier kleine Produzenten ihre Stände: Käse, Brot, Wein, Fleisch von Brandenburger Höfen.
Das Highlight ist der Street Food Thursday, jeden Donnerstag von 17 bis 22 Uhr. Dann verwandelt sich die Markthalle in einen internationalen Food Market mit Ramen, Tacos, Khinkali, äthiopischen Injera, koreanischem Fried Chicken und noch viel mehr. Alles von kleinen, unabhängigen Ständen. Die Portionen kosten zwischen 5 und 10 Euro, die Qualität ist durchgehend hoch.
Samstags gibt es einen Wochenmarkt mit regionalen Bio-Produkten, der weniger touristisch ist als der Street Food Thursday und sich lohnt, wenn man selbst kochen möchte.
Adresse: Eisenbahnstr. 42/43. Street Food Thursday: Do 17:00-22:00. Tipp: Früh kommen und eine Runde durch alle Stände drehen, bevor man bestellt. Es wird ab 19 Uhr sehr voll.
Burgermeister — Schlesisches Tor
In einem ehemaligen Toilettenhäuschen unter dem U-Bahn-Viadukt am Schlesischen Tor grillt der Burgermeister die vermutlich besten Burger der Stadt. Die Location allein ist einen Besuch wert: ein kleines, grün gekacheltes Häuschen mit einer Handvoll Stehtische drumherum, darüber rattert die U1.
Die Burger sind klassisch aufgebaut, frisches Patty, knuspriges Brötchen, gute Zutaten, und ohne die Gimmicks, mit denen andere Burgerläden arbeiten. Der Meisterburger mit Bacon und Ei ist der Bestseller. Dazu Pommes mit hausgemachter Mayo. Ein Menü kostet um die 10 Euro.
Adresse: Oberbaumstr. 8. Öffnungszeiten: Täglich 11:00-3:00. Tipp: Spätabends nach dem Feiern kommen, der Laden hat bis 3 Uhr morgens offen.
Imren Grill — Skalitzer Straße
Für viele Berliner der beste Döner der Stadt, und das will in einer Stadt mit über 1.000 Dönerläden etwas heißen. Bei Imren wird das Fleisch nicht vom industriellen Drehspieß geschnitten, sondern von Hand gestapelt und stundenlang am Grill gegart. Das Ergebnis ist saftig, würzig und rauchig.
Das Brot ist frisch, die Salate knackig, und die Soße kommt in drei Schärfegraden. Dazu gibt es Lahmacun und Pide, beides hervorragend. Der Laden ist einfach eingerichtet, hier geht es ums Essen, nicht ums Ambiente.
Adresse: Skalitzer Str. 80. Budget: 6-9 €. Tipp: Den Döner mit Scharf bestellen und einen Ayran dazu nehmen.
Pratische Tipps für Street Food in Berlin
Die meisten Imbisse in Kreuzberg nehmen Bargeld, manche ausschließlich. 20 Euro in kleinen Scheinen dabei zu haben spart Diskussionen. Trinkgeld ist bei Imbissen nicht üblich, aber die Aufrundung auf den nächsten Euro wird gerne gesehen.
Wer mehrere Spots an einem Tag probieren will: Curry 36 und Mustafas liegen direkt nebeneinander am Mehringdamm. Von dort sind es 10 Minuten zu Fuß zur Markthalle Neun und nochmal 10 Minuten weiter zum Burgermeister am Schlesischen Tor. Eine perfekte Runde für einen hungrigen Nachmittag.
Die beste Zeit für Street Food ist zwischen 12 und 14 Uhr unter der Woche, dann sind die Schlangen kürzer und alles frisch. Am Wochenende ist es überall voll, besonders bei Mustafas.
Volkan Yavuz
Redakteur bei bevoflats. Kennt jeden Kiez und jede Abkürzung durch die Stadt.