bevo.flats
📚
Blog
Kultur & Events

Literarisches Berlin: Buchläden, Lesungen, Schriftstellerorte

BM

Berat Murati

5 Aralık 2025·4 min Lesezeit

Von Döblin bis heute: Eine Stadt der Schriftsteller

Von Alfred Döblin bis Herta Müller, von Christopher Isherwood bis zur Gegenwartsliteratur: Berlin war immer eine Schriftstellerstadt. Nicht im angenehmen, gefälligen Sinn, sondern in dem Sinn, dass die Stadt Schriftsteller anzieht, die etwas herausfinden wollen. Jede Epoche hat ihre Bücher hinterlassen. Was bleibt, ist eine literarische Infrastruktur, die in Deutschland ihresgleichen sucht: unabhängige Buchhandlungen mit Haltung, Lesungsorte mit Geschichte, Cafés, in denen man noch stundenlang sitzen kann.

Buchhandlungen, die einen Umweg wert sind

Dussmann das KulturKaufhaus in der Friedrichstraße 90 ist Berlins größte Buchhandlung. Vier Etagen, bis 23 Uhr geöffnet, mit Abteilungen für Bücher, Musik und Film. Die internationale Abteilung ist gut sortiert, die Musikabteilung gehört zu den besten der Stadt. In einer Stadt, in der fast alles um 20 Uhr schließt, ist die späte Öffnungszeit keine Kleinigkeit. Man kann hier sehr viel Zeit verbringen, ohne es zu merken.

Wer es kleiner und gezielter mag: do you read me?! in der Oranienstraße 20 in Kreuzberg ist eine der kuratiertesten Buchhandlungen Deutschlands. Deutschsprachige Literatur, internationale Kunstbücher, Magazine aus aller Welt. Das Personal kennt das Sortiment, die Auswahl ist mit Bedacht zusammengestellt.

Another Country in der Riemannstraße 7 in Schöneberg ist ein englischsprachiges Antiquariat mit angeschlossener Leihbücherei. Die Atmosphäre ist gemütlich, das Angebot zufällig im besten Sinne: Man findet, was man nicht gesucht hat.

In Friedrichshain, Warschauer Straße 74, gibt es Shakespeare and Sons, englische Bücher und ein angeschlossenes Bagel-Café, ein Ort zum Verweilen. Und für Architektur, Kunst und Design als gedruckte Bücher: Bücherbogen am Savignyplatz in Charlottenburg, unter den S-Bahn-Bögen, eine der schönsten Fachbuchhandlungen der Stadt.

Wo Lesungen stattfinden

Das Literaturhaus Berlin in der Fasanenstraße 23 in Charlottenburg ist die wichtigste Adresse für literarische Veranstaltungen. Lesungen, Gespräche, Buchpräsentationen, das Programm ist hochwertig, die Gäste oft bedeutende Autorinnen und Autoren. Das Haus hat außerdem einen der schönsten Gartencafés Berlins. Die meisten Veranstaltungen finden auf Deutsch statt.

Experimenteller und zugänglicher ist das Lettrétage am Mehringdamm 61 in Kreuzberg: ein Literaturlabor mit Open Mics, Lesungen, Schreibworkshops. Gut für alle, die Literatur nicht als Hochkultur erleben wollen.

Orte mit literarischer Geschichte

Das Romanische Café, das in den 1920ern an der Tauentzienstraße stand, heute verbaut und verschwunden, war der Treffpunkt der Berliner Bohème. Schriftsteller, Maler, Journalisten tranken dort Kaffee und stritten über Bücher. Der Ort ist weg, die Vorstellung bleibt.

Erhalten ist das Brecht-Weigel-Haus in der Chausseestraße 125 in Mitte: Bertolt Brechts letzter Wohnort, heute ein Museum. Brechts Arbeitszimmer, seine Bibliothek, Helene Weigels Küche, alles weitgehend im Originalzustand. Geöffnet dienstags bis sonntags, montags geschlossen, Eintritt rund 5 Euro.

Berlin als literarisches Sujet

Einige Bücher, die Berlin als Hauptfigur haben:

  • Alfred Döblin – „Berlin Alexanderplatz" (1929): Das Standardwerk. Kein Roman beschreibt die Stadt in ihrem Lärm, ihrer Grausamkeit und Energie so genau. Franz Biberkopf kehrt nach dem Gefängnis in das tobende Berlin der Weimarer Republik zurück, und die Stadt walzt über ihn hinweg.
  • Christopher Isherwood – „Goodbye to Berlin" (1939): Der Engländer Isherwood lebte in den frühen 1930ern in Berlin und beobachtete die Weimarer Republik beim Sterben. Sein Buch wurde später zur Vorlage für das Musical Cabaret.
  • Anna Funder – „Stasiland" (2003): Die australische Autorin sprach mit ehemaligen DDR-Bürgern und Stasi-Mitarbeitern. Eines der eindringlichsten Bücher über die DDR und ihre Nachgeschichte.
  • Wim Wenders – „Der Himmel über Berlin": Kein Roman, aber so literarisch wie ein Film sein kann. Die Geschichte zweier Engel über einer geteilten Stadt, und das Berlin von 1987, bevor die Mauer fiel.

Berlin zu lesen, bevor man es besucht, verändert den Blick auf die Stadt. Viele der bevoflats-Wohnungen liegen in Bezirken, die in diesen Büchern eine Rolle spielen, manchmal buchstäblich um die Ecke von Orten, über die geschrieben wurde.

BM

Berat Murati

Gründer von bevoflats. Berliner aus Leidenschaft, Gastgeber aus Überzeugung.