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Spreewald: Kahnfahrt, Gurken und Ruhe

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Volkan Yavuz

10 febbraio 2026·6 min Lesezeit

Der Spreewald liegt eine Stunde südlich von Berlin und wirkt wie ein anderes Land. Keine Straßen zwischen den Dörfern, nur Wasserwege. Die Häuser stehen auf kleinen Inseln, und wer jemanden besuchen will, fährt mit dem Kahn. Das Biosphärenreservat der UNESCO schützt ein Netz aus 1.000 Kilometern Fließen und Kanälen, durch das noch heute täglich Güter und Post auf flachen Holzbooten transportiert werden. Oder wurden, bis vor wenigen Jahrzehnten. Heute sind es vor allem Ausflügler, aber die Stille ist geblieben.

Anreise: RE2 oder RE3 nach Lübbenau

Die schnellste Verbindung geht mit dem RE2 oder RE3 vom Berliner Ostbahnhof oder Lichtenberg nach Lübbenau. Die Fahrt dauert zwischen 55 und 65 Minuten, je nach Verbindung. Das Brandenburg-Berlin-Ticket kostet rund 30 Euro für bis zu fünf Personen und gilt einen ganzen Tag, also hin und zurück. Für Gruppen und Familien ist es das günstigste Ticket.

Wer allein fährt, sollte das Einzelticket prüfen: Es kostet etwa 12-14 Euro für die Strecke. Die Züge fahren stündlich, die genauen Verbindungen findet man in der Bahn-App. Am Wochenende können die RE-Züge voll sein, besonders im Sommer.

Kahnfahrt: Das Herzstück des Spreewalds

Ohne Kahnfahrt kein Spreewald. Die traditionellen flachen Holzboote werden vom Stocherer mit einer langen Stange durch die Kanäle geschoben, ähnlich wie Gondeln in Venedig, aber stiller und mit mehr Schilf. Vom Lübbenauer Hafen, der nur wenige Gehminuten vom Bahnhof entfernt liegt, starten täglich mehrere Anbieter.

Eine zweistündige Tour kostet etwa 15 Euro pro Person, eine vierstündige Tour rund 22 Euro. Mehrere Unternehmen konkurrieren am Hafen, die Preise und Strecken ähneln sich. Ein bekannter Anbieter ist Kahn-Fahrt Lübbenau, aber man kann auch direkt am Hafen schauen, was gerade ablegt. Die Touren führen durch enge Kanäle mit überhängenden Weidenzweigen, vorbei an Bauernhöfen auf winzigen Inseln und durch das Freilichtmuseum Lehde.

Wer eine private Fahrt bevorzugt, kann auch selbst ein Paddelboot oder Kanu mieten und auf eigene Faust durch die Fließe fahren. Für die unbekannten Kanäle empfiehlt sich aber eine geführte Tour, zumindest beim ersten Besuch. Ohne Ortskenntnis ist es leicht, sich in dem Wasserlabyrin zu verirren.

Lehde: Das Dorf ohne Straßen

Lehde ist nur per Boot erreichbar. Das Dorf besteht aus ein paar Dutzend Häusern, die auf kleinen Inseln zwischen den Kanälen liegen, mit Stegen als Wegen und Kähnen vor den Türen. Das Freilichtmuseum Lehde zeigt in drei original erhaltenen Bauernhöfen, wie die Spreewälder Bevölkerung vor 100 Jahren gelebt hat: Reetgedeckte Dächer, Fachwerk, keine Heizung außer dem Herd. Der Eintritt kostet etwa 4 Euro.

Das Dorf selbst ist auch außerhalb des Museums sehenswert. Wer langsam durch die Kanäle gleitet und die Häuser aus dem Boot heraus betrachtet, bekommt einen Eindruck, der sich mit keinem Stadtausflug vergleichen lässt. Im Gasthaus Zum Wendischen Krug, direkt am Wasser in Lehde, gibt es traditionelle Spreewalder Küche: Schmorbraten, Grützwurst, Leinöl mit Quark und Pellkartoffeln. Bodenständig, reichhaltig, gut.

Gurkenradweg und Spreewälder Gurken

Der Gurkenradweg führt durch Obstgärten, Gemüsefelder und Fischteiche quer durch den Spreewald. Er ist gut beschildert und für Gelegenheitsradler geeignet, also kein alpines Gelände, sondern flaches Brandenburg-Pedaling. Fahrräder kann man am Bahnhof Lübbenau für etwa 10 Euro pro Tag mieten.

Entlang der Strecke stehen Stände, an denen die Spreewälder Gurke verkauft wird. Das ist keine beliebige Gurke, sondern ein geschütztes regionales Erzeugnis mit eigenem EU-Herkunftsstempel. Die Gurken werden traditionell in Holzfässern eingelegt, mit Dill, Meerrettich und Gewürzen. Ein Glas kostet zwischen 3 und 5 Euro. Im Jahr werden im Spreewald rund 35.000 Tonnen Gurken angebaut, ein Großteil davon für Spreewälder Marken. Das klingt nach Fabrik, ist aber für viele Betriebe noch handwerkliche Arbeit.

Sorbische Kultur und Biosphärenreservat

Der Spreewald ist das Kerngebiet der Sorben, einer westslawischen Minderheit, die seit mehr als 1.500 Jahren in der Lausitz lebt. Ihre Sprache, das Niedersorbische, ist heute noch auf Straßenschildern zu lesen und wird in Schulen unterrichtet. Man nennt die Sorben in dieser Region auch Wenden, daher der Name Wendischer Krug im Gasthaus von Lehde.

Das Biosphärenreservat wurde 1990 gegründet und schützt eine der artenreichsten Binnenlandschaften Mitteleuropas. Seeadler und Fischotter sind hier heimisch, Schwarzstorch und Eisvogel sichten die meisten Besucher fast zufällig von der Kahnfahrt aus. Das Wasser ist klar genug, um den Grund zu sehen. Wer den Unterschied zu einem durchschnittlichen Brandenburger Kanal erleben will, sollte das selbst nachprüfen.

Wann fahren und was mitbringen

Die Saison für Kahnfahrten läuft von Mai bis September. Im Juli und August sind die Wochenenden sehr voll, besonders an heißen Tagen. Wer eine ruhige Tour will, fährt unter der Woche oder außerhalb der Sommerferien. Im Mai und September ist das Wetter oft noch warm genug, die Wege und Boote aber erheblich leerer.

Was man mitbringen sollte: Mückenschutz, gute Schuhe für eventuelle Kieswege, eine leichte Regenjacke (der Wald kann die Temperatur absenken), und Bargeld. Nicht alle Gurkenstände und Bootsverleiher akzeptieren Karte. Ein kleiner Rucksack ist praktischer als ein großer Koffer. Und Geduld: Der Spreewald belohnt, wer langsam macht. Wer sich zwischen diesem Ausflug und anderen Tageszielen rund um Berlin entscheiden muss, sollte wissen: Der Spreewald ist am einzigartigsten. Potsdam kann man schneller abhaken.

Unsere Berliner Ferienwohnungen liegen praktisch zu Ostbahnhof und Lichtenberg, von wo die Züge in den Spreewald direkt abfahren.

VY

Volkan Yavuz

Redakteur bei bevoflats. Kennt jeden Kiez und jede Abkürzung durch die Stadt.