bevo.flats
🏘️
Blog
Im Kiez

Prenzlauer Berg: Familienfreundlich und trotzdem lebendig

BM

Berat Murati

20 Ocak 2026·6 min Lesezeit

Prenzlauer Berg ist heute der teuerste und begehrteste Wohnbezirk Berlins. Bio-Supermärkte, renovierte Gründerzeithäuser, Kinderwagen mit Luftbereifung: Das Klischee stimmt, es gibt einen Kern Wahrheit darin. Was das Klischee auslässt: Prenzlauer Berg ist trotzdem noch lebendig, hat echte Qualität in Restaurants und Cafés, und seine Geschichte ist ungewöhnlicher als die meiste Stadtgeschichte Berlins.

Was dieser Stadtteil war, bevor er zum Sehnsuchtsort wurde

Im geteilten Berlin war Prenzlauer Berg ein Arbeiter- und Handwerkerviertel in Ost-Berlin. Die Mieten waren niedrig, die Gebäude marode und nicht saniert, und genau deshalb zog das Viertel ab den 1970er Jahren Künstler, Musiker, Schriftsteller und politische Dissidenten an. In keinem anderen Berliner Viertel war die Dichte an informellen Zirkeln, Untergrundkultur und stiller Opposition gegen das DDR-Regime so hoch. Wohnzimmer-Lesungen, illegale Ausstellungen, Hausbesetzungen: Prenzlauer Berg war das Herz des Ost-Berliner Alternativmilieus.

Nach der Wende kamen die Investoren und Neubürger. Die Sanierungswelle überrollte die alten Strukturen in kürzester Zeit. Heute erinnern nur noch wenige Gebäude an den Zustand vor 1989. Wer wissen will, wie es ausgesehen hat, findet im Stadtmuseum Berlin ein paar Fotos und Dokumente. Oder redet mit jemandem, der damals dort gewohnt hat.

Kollwitzplatz: Der beste Wochenmarkt der Stadt

Am Samstagmorgen verwandelt sich der Kollwitzplatz in den nach Qualität gemessen besten Wochenmarkt in Berlin. Zwischen neun und sechzehn Uhr stehen hier Produzenten aus Brandenburg und Mecklenburg mit Gemüse, Käse, Fleisch, Brot und Feinkost, die man im Supermarkt nicht bekommt. Die Preise sind höher als auf anderen Märkten, dafür ist fast alles regional und saisonal. Es lohnt sich, früh zu kommen, bevor die begehrten Stände ausverkauft sind.

Direkt um den Platz herum gruppieren sich einige der interessantesten Restaurants und Cafés des Viertels. Das Lucky Leek in der Kollwitzstraße ist eines der wenigen veganen Restaurants in Berlin, das tatsächlich kein schlechtes Gewissen erzeugt. Die Gerichte sind durchdacht und saisonal, die Atmosphäre entspannt. Wer ein einfacheres Mittagessen sucht, findet es wenige Minuten zu Fuß entfernt.

Konnopke's Imbiss: Currywurst seit 1930

Unter der Hochbahn an der Schönhauser Allee steht Konnopke's Imbiss, eines der ältesten Currywurst-Restaurants Berlins. Seit 1930 wird hier serviert, seit der Eröffnung in einer Zeit, als die Currywurst noch nicht mal erfunden war. Die Imbissbude überstand Weltkrieg, DDR und Wiedervereinigung, und sie steht heute unter Berliner Denkmalschutz. Die Schlange ist lang, meistens. Sie bewegt sich aber schnell, und das Ergebnis, Currywurst mit Pommes für unter fünf Euro, ist besser als in vielen neueren Läden, die deutlich mehr verlangen.

Mauerpark: Flohmarkt, Karaoke und Sonntagsstimmung

Der Mauerpark ist am Sonntag einer der lebendigsten Orte in Berlin. Der Flohmarkt ist von neun bis achtzehn Uhr geöffnet, kostenlos und einer der größten der Stadt. Das Angebot ist gemischt: Vintage-Kleidung, Schallplatten, Haushaltsgerät, Bücher, Nippes. Wer einen sonnigen Sonntagnachmittag hier verbringt, braucht kein weiteres Programm.

Das Highlight für viele ist das Karaoke im Freilichtamphitheater. Ab fünfzehn Uhr organisiert Joe Hatchiban dort eine öffentliche Karaoke-Session. Das Amphitheater fasst mehrere Hundert Zuschauer, und im Sommer ist es immer voll. Menschen jeder Altersgruppe singen auf einer provisorischen Bühne vor einem Publikum, das mitsingt, mitklatscht und mit Reaktionen nicht geizt. Es ist schrill, manchmal überraschend gut und fast immer unterhaltsam. Eintritt kostenlos.

Kastanienallee: Boutiquen, Bier und Eis

Die Kastanienallee wird im Volksmund auch „Casting-Allee" genannt, weil man hier angeblich häufiger an Menschen scheitert, die erkannt werden wollen, als an echten Prominenten. Der Spitzname ist in Ordnung: Die Straße ist tatsächlich gut aussehend und sehr bemüht. Trotzdem lohnt sie sich.

Der Prater Biergarten an der Kastanienallee ist der älteste Biergarten Berlins, seit 1837 in Betrieb, und einer der wenigen, die noch echten Kastanienschatten haben. Im Sommer sitzen hier Hunderte von Menschen unter alten Bäumen, trinken Bier und essen Bratwurst. Es ist eine der entspanntesten Erfahrungen, die Berlin zu bieten hat. Der Hokey Pokey Eisladen auf der Kastanienallee hat täglich wechselnde Sorten, alle hausgemacht. Warteschlangen bei Sonne sind normal.

Das Weinerei Forum in der Fehrbelliner Straße funktioniert nach einem anderen Prinzip: Man zahlt am Eingang eine Euromünze für das Weinglas und trinkt dann so viel, wie man möchte. Am Ende gibt man einen Betrag, der einem fair vorkommt. Das klingt nach einem Experiment, das schief gehen sollte, funktioniert aber tatsächlich und seit Jahren. Abends gibt es manchmal Konzerte oder Lesungen.

Kulturbrauerei: Großes Kulturzentrum im alten Industriebau

Die Kulturbrauerei in der Knaackstraße ist ein ehemaliges Schultheiss-Brauereigelände aus dem 19. Jahrhundert, heute umgenutzt zu einem der größten Kulturzentren Berlins. Die Backsteingebäude und Innenhöfe sind tagsüber frei zugänglich und sehenswert. Auf dem Gelände befinden sich Kinos, Clubs, ein Konzerthaus, ein Weihnachtsmarkt im Dezember und mehrere Museen. Das Haus der Kulturen der Welt betreibt hier eine Dependance, die Dauerausstellung zur DDR-Alltagsgeschichte ist kostenlos und informativ.

Helmholtzplatz: Weniger bekannt, aber gut

Wer dem Kollwitzplatz entfliehen will, geht zum Helmholtzplatz. Der Platz ist kleiner und weniger bekannt, dafür die Bars rundherum zugänglicher und weniger auf Außenwirkung bedacht. An warmen Abenden sitzen die Locals auf dem Platz selbst oder in den Außenbereichen der Kneipen. Die Atmosphäre ist vergleichbar mit dem, was Prenzlauer Berg vor zehn Jahren war: lebendig und ohne Anstrengung.

Prenzlauer Berg hat sich verändert, teurer und polierter geworden. Wer es kennenlernen will, ohne sich von der Oberfläche abschrecken zu lassen, nimmt sich einen Samstag- und Sonntagvormittag: Markt am Kollwitzplatz, Currywurst bei Konnopke, Spaziergang durch die Husemannstraße, Nachmittag im Mauerpark. Das ist kein typisches Touristenprogramm, aber es ist das echte Prenzlauer Berg. Wer in Berlin übernachtet, findet von einem zentralen Apartment in Mitte oder Mitte-Nähe mit bevoflats schnellen Anschluss per U2 direkt in den Stadtteil.

BM

Berat Murati

Gründer von bevoflats. Berliner aus Leidenschaft, Gastgeber aus Überzeugung.